Vorsicht Satire: Der Platzwart

Der internationale Tag des Ehrenamtes findet jedes Jahr am 5. Dezember, dem Vorabend zu St. Nikolaus statt. Ein trefflich gewählter Termin, ziehen doch in diesen Tagen tausende von ehrenamtlichen Nikoläusen, von der Feuerwehr, vom Sportverein und manchmal sogar vom Frauenbund von Haus zu Haus und verrichten ihr diabolisches Werk an unschuldigen Kindern. Gedicht aufsagen und Blockflöte spielen, sind Handlungen wider die kindliche Natur. Doch Gewalt unter dem hehren Deckmäntelchen des Ehrenamtes wird in der Gesellschaft immer noch tabuisiert. Dass es nicht nur Kinder, sondern jeden von uns treffen kann, beweist ein weiterer gefürchteter ehrenamtlicher Täter: Der Platzwart.

Ursprünglich verdiente sich der tapfere Platzwart Ruhm und Ehre, pflegte den Rasen liebevoll, stopfte Hasenlöcher, bekämpfte Maulwürfe und zog Linien, diente dem großen Spiel. Doch fast jeder Platzwart wird während langer, einsamer Stunden vom Platz in Versuchung geführt. Letztlich verwandelt er sich in ein kleines (manchmal auch kugelrundes), geiferndes Wesen, das nur noch zischend, zwischen zusammengepressten Lippen, „Mein Platzzzzzzz“ hervorpresst. So lauert der Platzwart auf der dunklen Seite des Platzes auf Opfer: Maulwürfe, Hasen und MENSCHEN.

Betritt nun jemand an einem schönen Tag den Platz, erdreistet sich gar Sport zu treiben, dann  blitzt sein Zorn auf, die Adern schwellen und niemand findet Gnade unter den bohrenden Augen des dunklen Herrn des Platzes. Wüste Beschimpfungen gepaart mit hanebüchenem Unfung stößt sein verzerrt geifernder Mund aus, denn der Platz ist nicht zum Spielen da. Unbarmherzig werden Tore versperrt, Autonummern notiert, Anzeigen erstattet und wenn Alles nichts hilft, im Beachvolleyballfeld Glasscherben vergraben. Ein Wart, sie alle zu knechten, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden…

Sehr geehrte Platzwarte, auch in Eurer Zunft gibt es viele weiße Schafe, brave Kämpen, die sich nicht von der dunklen Seite des Platzes verführen haben lassen. Die mit ihrem Kiosk die Kinder mit Eis und Wurstsemmeln versorgen. Nette Männer und Frauen, die ihre Freizeit opfern, damit ihre Mitmenschen Sport treiben können. Bei Denen soll sich für etwaige Verunglimpfungen an dieser Stelle aufrichtig entschuldigt werden. Alle Anderen [Die Namen sind dem Autor bekannt], die Geißeln des Breitensports, die sieben Plagen des Hobbyfußballers aber seien gewarnt: Irgendwann wird der große Platzwart im Himmel mit seinem apokalyptischen Rasenmäher auch Euren Platz mähen. Vielleicht findet sich dann der eine oder andere in der großen Platzwarthölle wieder, wo ihr mit einem rotglühenden Nagelclipper – eine Schere wäre noch zu gut für Euch – und einem Teelöffel einen Fußballplatz von der Größe eines kleinen Kontinents pflegen dürft. Und jedes Mal wenn ihr fertig seid, treibt der Oberteufel eine Horde wildgewordener, paarhufiger Dämonen übers Feld, die Grasssoden von der Größe kleiner Städte herausreißen. Deshalb gehet in Euch, kehret um und tuet Buße. Behandelt von nun an Hobbyfußballer und Freizeitsportler genauso wie ihr Euren Rasenmäher behandelt: Mit Respekt, Zärtlichkeit und Liebe!

(Dieser Artikel entstand 2005 nach einem unerfreulichen Aufeinandertreffen mit einem Platzwart im Landkreis Regensburg)
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