Ein Herz für Radler

Radlfahren in Regensburg: Was als Alliteration, mit rollendem “R”, eine hervorragende Kombination  ergibt, sind in der Realität zwei Welten, die sich kopfschüttelnd gegenüber stehen. Dies ist insofern bemerkenswert, da doch Radlfahrer und Radlfahrerinnen auch RegensburgerInnen sind.

Über vermeintliche und tatsächliche Regensburger Verkehrsprobleme wurde in der Tat schon viel gesagt und noch mehr geschrieben. Und die Klagen von Autofahrern, Radlern und Fußgängern sind alle im Grunde berechtigt, allerdings mit einem kleinen aber feinen – und vor allem grundlegenden – Unterschied: Radfahrer verfügen nicht über exklusive Verkehrsräume wie Autobahnen und Fußgängerzonen, sondern sind a priori immer nur geduldet. Straßen sind das Habitat des Automobilisten, Bürgersteige gehören dem Fußgänger. Existieren – ausnahmsweise – Radwege, so werden diese entweder zum Parkplatz oder zur Überholspur für SUK – überbreite Sports Utility Kinderwägen – umfunktioniert. Der Grund ist relativ einfach: Irgendwie scheint in den Köpfen immer noch die Überzeugung fest verankert, dass der Radfahrer und die Radfahrerin nicht Radfahren MÜSSEN. Wer auf einem Drahtesel sitzt, macht dies als Freizeitbeschäftigung, zur sportlichen Ertüchtigung oder aus ideologischer Überzeugung. Auf das Auto ist man angewiesen, zu Fuß muss man gehen, aber Radfahren muss man nicht. Doch aufgrund veränderter urbaner Lebensentwürfe und sozio-ökonomischer Rahmenbedingungen ist das Fahrad für immer mehr Menschen nicht das Fortbewegungsmittel der Wahl, sondern schiere Notwendigkeit.

Obwohl es mittlerweile sogar einen “Nationalen Radverkehrsplan” gibt, stehen diesem gerade einmal “3 Mio. zur Verfügung, mit denen nicht-investive Maßnahmen gefördert werden, die in besonderem Maße innovativ und die auf andere Städte und Gemeinden übertragbar sind.” Dies entspricht ungefähr den Kosten für 500 Meter (!) deutscher Autobahn. Die daraus entwickelten 46 Maßnahmen wurden mittlerweile dem zuständigen Minister, Dr. Peter Ramsauer (CSU), im September 2011 übergeben, ein Kabinettsbeschluss steht jedoch noch aus.

Individuelle Mobilität kann in Zukunft alleine durch das Auto nicht mehr sicher gestellt werden, da die dafür notwendigen Ressourcen in Zukunft volkswirtschaftlich einfach nicht mehr aufgebracht werden können. Nur in der optimalen Vernetzung aller Verkehrsmittel kann die von unserer Gesellschaft – nicht von der Wirtschaft allein – geforderte Mobilität erhalten bleiben.

Betrachtet man nur die Situation am Regensburger Hauptbahnhof, so wird schnell klar, dass es quasi an allen Ecken und Enden hapert. Kommend von der Maximilianstraße muss der Radfahrer – zwecks fehlendem Radweg – zunächst auf Höhe der Albertstr. auf die Mittelspur wechseln und versuchen, zwischen Stadtbussen und Autofahrern geradeaus zum Bahnhof zu fahren. Um zum Radständer zu gelangen, ist nach dem Rechtsabbiegen ein weiterer Spurwechsel zum Linksabbiegen notwendig. Der Radfahrer muss dazu erneut auf den Mittelstreifen einer vierspurigen Straße wechseln. Nach dem hoffentlich erfolgreichen Abbiegen schlängelt man sich an Bussen und parkenden Taxen vorbei, um schließlich festzustellen, dass der Radständer wieder einmal hoffnungslos überfüllt ist.

Und wie könnte es stattdessen sein? Der Bahnhof ist von allen Seiten auf einem doppelspurigem Radweg erreichbar und das Radfahren im Bereich der Allee ist generell erlaubt, um so den Rad- vom Autoverkehr zu trennen. Sowohl auf der Seite der Arcaden, als auch auf der Seite der Stadt sind ausreichend Radelstellplätze vorhanden.

Außerdem ist die Mitnahme von Fahrrädern im Zug kostenlos. Deshalb befinden sich in unmittelbarer Nähe der Fahrradstellplätze zusätzliche Fahrkartenautomaten der DB und des RVV. Von dort gelangt der Pedalist auf einem eigenen Fahrstreifen bis zu den geräumigen Aufzügen oder Rampen, die auf den Übergang zu den Gleisen führen. Auch auf dem Bahnsteig gibt es Stellplätze für Räder, so dass umsteigende Reisende ihr Rad auch kurz stehen lassen können, wenn sie im Bahnhof eine Erfrischung kaufen wollen. Im Zug sind ausreichend große Abteile vorhanden, die auch großen Radfahrgruppen bequem Platz bieten: Rad & Bahn in perfektem Einklang.

Ein Teil dieser Maßnahmen wäre ohne großen finanziellen Aufwand sofort umsetzbar. Aber wie gesagt: Radfahren MUSS ja niemand.

 

 

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